Drei singende Tänzer und drei tanzende Sänger/Musiker kreisen um das Drama der liebeskranken NASA-Astronautin Lisa Nowak, die nach 1500 km Fahrt ohne Pause und einer Pfefferspray-Attacke verhaftet wurde. Wie krank macht Liebe? Wie verändert sie die Welt? Eine körperlich-musikalisch-diskursive Recherche über die unterschätzte Epidemie und letzte Krankheit unserer Kultur.
Inszenierung: Sommer Ulrickson
Musik: Moritz Gagern
Choreographie: Sommer Ulrickson und wee dance company
Ausstattung: Alexander Polzin, Nicola Minssen
Musikalische Einstudierung: Jens-Karsten Stoll
Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Presse:
„GEFÜHLSECHT.
Uraufgeführt: „Lovesick“ in der Neuköllner Oper
Das ist eine jener Uraufführungen, mit denen sich die Neuköllner Oper in Berlin unverzichtbar macht. Weil sie das Genre des Musiktheaters wirklich voranbringt. „Lovesick“ ist keine verkopfte Staatstheater-Alibiproduktion, sondern ein Stück übers echte Leben, witzig und ernst zugleich, das seine Zuhörer abholt, wo sie emotional stehen, das Alltagserfahrungen mit den Mitteln der Kunst ins Allgemeingültige hebt. Avantgarde-Musical, Off-Broadway-Show, multistilistische Nummernrevue, Collage-Performance: Was die Regisseurin und Choreografin Sommer Ulrickson mit dem Komponisten Moritz Gagern entwickelt hat, kann man mit vielen Namen benennen. Oder, einfach genießen.
Es geht um die Liebe, natürlich. Die dramatische Story von der eifersüchtigen Astronautin, die ihre Konkurrentin mit Pfefferspray attackiert, ist nur der Ausgangspunkt für ein gesungenes, getanztes, gespieltes Panorama der unterschiedlichsten Ausprägungen von trennungsbedingtem Herzbruch. Acht Leute agieren auf der Bühne, und keiner hält sich an die übliche Aufgabenverteilung: Die Musiker agieren auch, Tänzer singen, Schauspieler werden in die Choreografien eingebunden. Der pas de trois, bei dem er nicht von seiner Ex loskommt, die ihm ans Bein gefesselt ist, fünfstimmiges A-Cappella-Heulen, Beziehungs-Reha an der rollenden Gulaschkanone, Hirschhausen-hafte Beziehungstipps vom Pianisten: 90 Minuten Lebenshilfe ex negativo, geistreich, gallig, gefühlsecht. Großartig.
Am 8. April startet in der Neuköllner Oper das experimentelle europäische Musiktheatertreffen „OpenOp“. Mit „Lovesick“ haben die Gastgeber die Latte extrem hoch gehängt.“
Der Tagesspiegel
– Uraufführung Neuköllner Oper 03/2010 –
www.sommerulrickson.org
www.wee-dance-company.de |